Mrz
26
2010
Ich bin seit neuestem auf dem Podcast Trip… meine morgendlichen S-Bahnfahrten gehören den Zeit Audioartikeln, Bayern 2 Radio Wissen, der Audioversion von heute.de und den ABC Worldnews. Macht richtig Spass und ich fühle mich rundum informiert sobald ich in Lohhof aus der Bahn steige.
Überhaupt finde ich Radio Wissen auf Bayern 2 sehr gelungen. Da ging es kürzlich darum, was Atheisten im Unterschied zu religiösen Menschen eigentlich glauben. (hier nachhören)
Darin kommt Prof. Dr. Armin Nassehi zu Wort und hilft bei der Definition und Verortung der verschiedenen Begrifflichkeiten. War sehr angenehm anzuhören.
Er nimmt keine Position in die eine oder andere Richtung ein, aber er stellt irgendwann fest, dass die grundsätzliche Diskussion zwischen Atheisten und Religiösen daran krankt, dass sie mit völlig unterschiedlichen Denk- und Argumentationsmuster agieren.
Irgendwann trifft er allerdings eine Aussage, die bei mir immer noch nachhallt: “Sie [die atheistischen Theorien] haben nicht akzeptiert und können nicht verstehen, dass eine Glaubensaussage/eine religiöse Aussage etwas anderes ist als eine naturwissenschaftliche Aussage. Die glauben, dass man mit Wissenschaft Gesamtsinnaussagen über die Welt machen können muss. Und das ist naiv.”
Hm…
Da werfen sich bei mir mehrere Fragen auf.
1. Glauben Atheisten denn wirklich, dass man mit Wissenschaft Gesamtsinnaussagen über die Welt machen können muss?
Zumindest ich für mich muss das erst einmal verneinen. Gerade die Behauptung, es müsse einen Gesamtsinn geben, ist doch schon eine zutiefst religiöse, womöglich sogar DIE Kernannahme hinter den meisten Religionen. Ich als Atheist (also als Mensch, der behauptet zu wissen, dass es keinen Gott gibt) habe und hatte nie den Anspruch, Gesamtsinn in allem zu sehen. Warum können wir uns als Menschen nicht einfach mal hemmungslos der Annahme hingeben, dass alles auch zufällig sein könnte? Wer sich mit Erkenntnistheorie beschäftigt kennt ohnehin viele Mechanismen die darauf hindeuten, dass viele vermeindliche Zusammenhänge und Sinndeutungen auf Beobachtungs- oder Denkprozessen beruhen und nur wie sinnvolles Handeln scheinen.
Ich habe noch nie einen Atheisten gehört, der versucht hat, allgemeingültige Gesamtsinnaussagen zu treffen. Was Atheisten allerdings gerne tun: vehement auf unsinnige rekigiöse Aussagen hinweisen und dieses dann oft mit wissenschaftlichen oder logischen Argumenten. Ich finde es dabei schön zu sehen, dass Atheisten noch nie ein “Joker”-Argument nach dem Strickmuster “Die Diskussion kann man deswegen nicht führen weil Gott jenseits der menschlichen Logik und unseres Verständnisses liegt” benötigen.
Aber Gesamtsinn? Das ist doch in sich ein Konzept, dass eigentlich nur jeder für sich und rein emotional beantworten kann, oder?
2. Was genau ist der Unterschied zwischen einer religiösen und einer nicht-religiösen Aussage?
Sind nicht beides einfach nur Aussagen?
Wenn ich nun als Haupt-Unterscheidungsmerkmal den Gegenstand der Aussage annehme (also ob ich sage “Der Himmel ist blau” vs. “Es gibt ein Leben nach dem Tod”), so sehe ich immer noch nicht warum man derartige Aussagen nicht analytisch bearbeiten, widerlegen oder auch als sinnfrei entlarven kann.
Ich vermute, es gibt richtige, falsche und neutrale Aussagen, jeweils in der Geschmacksrichtung “belegbar”, “wiederlegbar” und “indifferent”.
Ein paar Links zum Thema:
Bund für Geistesfreiheit (BfG): http://www.bfg-bayern.de/dragonfly/index.php
Lehrstulseite von Prof. Dr. Armin Nassehi: http://www.ls1.soziologie.uni-muenchen.de/index.html’
Radio Wissen “Faszination Glauben”: http://www.br-online.de/bayern2/radiowissen/radiowissen-atheismus-glauben-ID1267539491608.xml
The Internet Sacred Text Archive: http://www.sacred-texts.com/
Wikipedia zu “Atheismus”: http://de.wikipedia.org/wiki/Atheismus