Apr
9
2011

Niemand kann beweisen, dass es keinen Gott gibt?

Ihr habt es sicherlich schon bemerkt: Zur Zeit bin ich wieder mal in Sachen Religion unterwegs… Ausgelöst wurde das durch ein paar Diskussionen, in die ich kürzlich hineingeschlittert war. Und wie das mit Diskussionen so ist, hallen die meist noch eine ganze Weile in mir nach. Manches mal überdenke ich Dialoge oder überprüfe auch noch einmal meine eigenen Standpunkte…

Nun waren meine letzten längeren Diskussionen religiöser Natur und sie hatten Argumente gemeinsam (im Grunde gibt es eigentlich in _jeder_ religiösen Diskussion einige typische Argumente). Hier soll es nun um den ultimativen Joker gehen, das Totschlagargument schlechthin. Es geht ungefähr so:

“Auch Atheisten glauben an unzählige Dinge, jeder fußt seine Überzeugungen letztlich auf Glauben an gewisse Zusammenhänge und was den Glauben an Gott angeht, kann weder ich beweisen, dass es Gott gibt noch kannst Du beweisen, dass es ihn eben nicht gibt. Ich glaube aber, es gibt ihn und Du glaubst es gibt ihn nicht.”

Klingt plausibel, oder?

Nur ist das ein rethorischer Trick. Bis zu diesem Argument gab es nämlich vermutlich eine von den Regeln der Logik bestimmte Diskussion. Was sind das nun für Regeln?

Im Grunde geht es um drei Prinzipien wenn logische Schlüsse zu ziehen sind:

  1. Deduktion
  2. Widerspruchsfreiheit
  3. Begründbarkeit
Deduktion

Logische Schlüsse haben immer deduktiven Charakter, sie schließen also aus allgemeinen Feststellungen auf Spezielles.

Beispiel:

Glas ist durchsichtig
Milchflaschen sind aus Glas

Schlußfolgerung: Milchflaschen sind durchsichtig.

Umgekehrt funktioniert das nicht, denn Logik erlaubt es nicht, von einem speziellen Fakt auf Allgemeinheiten zu schließen. So kann man von “Milchflaschen sind durchsichtig” nicht auf “Alle Flaschen sind durchsichtig” schließen.

Widerspruchsfreiheit

Aussagen und Schlüsse dürfen keine internen Widersprüche aufweisen, sonst wird auf ihnen beruhende Argumentation sofort wertlos.

Begründbarkeit

Argumente müssen sich begründen lassen und behauptete Fakten unter Umständen mit geeigneten Quellen belegbar sein. Belege müssen in sich wiederrum logisch formuliert und klar strukturiert sein. Sonst argumentieren wir eben nicht sondern artikulieren innere Überzeugungen und Glauben.

Zurück also zum oben angeführten Argument, man könne die Nicht-Existenz Gottes schließlich genauso wenig beweisen wie seine Existenz. Damit wären beides legitime Standpunkte.

Rein formal ist das ein Schluß vom Speziellen aufs Allgemeine. Denn ich als Atheist behaupte zwei Dinge:

  1. die Gottesfigur, die mir aus dem christlichen Weltbild geläufig ist kann ich sehr wohl logisch widerlegen.
  2. davon abweichend gibt es keinerlei Indiz für ein höheres Wesen, ganz im Gegenteil: Viele Geschehnisse machen göttliche Einwirkung eher unwahrscheinlich.

Mein deduktiver Schluß sieht also folgendermaßen aus:

Die christliche Gottesfigur ist in sich unlogisch und widerlegbar
Niemand kann überprüfbare Beispiele für göttliches Wirken anbringen

Schlußfolgerung: Es gibt keinen Gott

Der Schluß meiner Gesprächspartner hingegen sieht so aus:

Ich glaube an die Existenz eines Gottes
Niemand kann nachweisen, dass es keinen Gott gibt

Schlußfolgerung: Es muß einen Gott geben!

Und das ist nun einmal – freundlich formuliert – für eine Diskussion unbrauchbar.
Warum? Weil hier zwei Dinge passieren:

  1. Mein Gesprächspartner hat soeben die Regeln des Spiels noch vor Abpfiff geändert. Er zieht keinen logischen Schluß sondern sagt im Prinzip “wenn ich an etwas glauben kann, dass Du nicht zwingend widerlegen kannst, dann muß es existieren”.
  2. Das Argument bringt uns auf eine völlig wertlose Position. Denn mit dem selben Argument könnte ich behaupten, das Universum wäre auf einer gigantischen urzeitlichen Pizza als Polle eines monströsen Schimmelpilzes entstanden. Widerlegt mir das mal!

Natürlich ist völlig klar, dass die meisten Diskussionen über Religion erhitzt sind und oft auch von Außenstehenden aufmerksam verfolgt werden. Da kann man natürlich schlecht so wie ich eben theoretisch die Argumentation zerpflücken.

Aber dann fragt doch mal nach dem fliegenden Spagghettimonster und fordert Euer Gegenüber auf, diese These zu widerlegen Smile

Ganz davon abgesehen fragen wir Atheisten uns auch immer wieder warum plötzlich bei uns eine Beweislast angemahnt wird. Schließlich sind nicht wir diejenigen die das Vorhandensein von etwas behaupten. Warum sollen wir plötzlich etwas belegen das erst her-argumentiert werden muß?

Kommentare (2) -

Ray

"Die christliche Gottesfigur ist in sich unlogisch und widerlegbar"

Ein schlauerer gläubiger Christ als in deinem Beispiel würde dir aber vermutlich entgegnen, dass Gott eben nicht widerlegbar ist: Da er von der Definotion allmächtig ist, hat er im Gegensatz zu uns Menschen auch die Macht, alle denkbaren logische Widersprüche miteinander zu vereinbaren. (Bequem, oder?)

Dirk Primbs

war ja klar, dass das irgendwann jemand sagt.
Mal ganz ehrlich: Wozu genau sollte Gott sich eigentlich all die Mühe machen? Das ist ja als würde ich mich in meinem eigenen Haus dauernd vor meinen Kindern verstecken...

Kommentare sind geschlossen

Was soll das hier?

Das hier ist ein sogenanntes Web-Log (oder Blog) in dem Dirk Primbs sich selbstdarstellerisch, gelegentlich witzig und manchmal auch zynisch-unfreundlich über eine breite Spanne an Themen ausläßt. Von Religion über Politik bis Technik, Fernstudium und Patchwork 2.0 reicht die Bandbreite, macht da aber nicht halt. Ein Kraut-und-Rübenblog sozusagen. Trotzdem interessant, glaubt Dirk...

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