Mai
5
2011
Manchmal beschleicht mich das Gefühl, Datenschutz wäre wie Joghurt: Jeder kann reinrühren wonach ihm gerade der Sinn steht. Zur Zeit sind gleich mehrere Themen aktuell die Datenschützer auf den Plan rufen und den Deutschen Michel mit allerlei Horrorszenarien erschaudern lassen…
- Applegate… Wer es noch nicht mitbekommen hat: iPhone und IPads speichern die per GPS erfassten Positionen ihrer Benutzer. Was macht Apple damit fragt doch tatsächlich manch einer… nicht wissend, dass Apple diese Daten gar nicht selber speichern sondern der ganze Kram auf dem Telefon liegt um damit ortsbezogene Szenarien zu ermöglichen. Das kann man selbstverständlich kritisieren nur konnte mir bisher niemand erklären, warum das eigentlich so furchtbar sein soll… Was genau ist denn an meinem Aufenthaltsort so besonders, dass noch nicht mal mein Telefon ihn wissen darf? Ganz davon abgesehen, dass der Telefonprovider und ggf. noch andere Organe (Banken z.B.) ohnehin viele relevante Ortsinformationen von uns frei Haus geliefert bekommen.
- Facebook… In letzter Zeit hörte ich öfter mal jemanden sich darüber aufregen dass google und facebook Werbung passend zum persönlichen Surfverhalten anböten. Schließlich hieße das ja, dass diese Unternehmen überwachten was man täte…
Und? Was ist daran eigentlich so schlimm? Es ist ja nicht so, dass bei facebook jemand da säße und diese Informationen gezielt auf mich bezogen auswertet. Vielmehr ist es so, dass ich die Informationen, die mein DSL Provider auch über mich hätte, verwendet werden um mir Dinge zu präsentieren von denen es wahrscheinlicher ist, dass sie mich interessieren. Ich halte das für einen Vorteil…
- Volkszählung… Ohjemine! Was der Staat da wieder alles von uns wissen will! Oh Graus oh Graus! Nun habe ich für mein Social Studies Paper einmal das Thema Zensus rauf und runter durchleuchtet und verstehe daher unfreiwillig ein wenig von den Gründen und Methoden. Alles in allem bleibe ich immer wieder bei dem Punkt hängen, dass der Staat ein Recht auf all die erfaßten Informationen hat, denn sie werden nun mal erfaßt um die Aktionen der Staatsorgane auf seine Bevölkerung abzustimmen und herauszufinden, wer da eigentlich regiert wird und welche Bedürfnisse adressiert werden müssen.
- Vorratsdatenspeicherung… erinnert sich da noch jemand an die allgegenwärtige Aufregung? Inzwischen, diverse Aufreger später, ist kaum noch jemandem präsent, dass Telefon- und Datenprovider per Gesetz angehalten werden, Daten ihrer Nutzer zu speichern…
- Sonygate… Nutzerdaten wie Adressen und Kreditkarteninformationen sind geklaut worden. DAS ist mal ein echter Schaden auf den man zeigen kann…
Letztlich ist die allgemeine Angst vor der unkontrollierten Analyse mit der eigenen Person verknüpfter Informationen der eigentliche Aufreger für viele. Was passiert wenn öffentliche Organe, Arbeitgeber oder Unternehmen aus verschiedenen Datensätzen Schlüsse ziehen, die uns zum Nachteil gereichen?
Die Antwort der Datenschützer ist dann oft: Diese Daten dürfen nicht verfügbar sein! Leider ändert sich der Katalog der schützenswerten Informationen mit der technischen Entwicklung und leider ist der Ruf nach der Unterdrückung zu kurz gegriffen. Denn ich habe kein Problem damit, dass iPhone meine Bewegungen erfaßt oder facebook weiß, mit wem ich befreundet bin. Mein Probem liegt an anderer Stelle: Ich will nicht, dass mir Schaden aus der Analyse dieser Daten entsteht. Das ist in vielen Fällen aber ein rechtliches Problem und eine Frage meiner Zustimmung… Ich will gefragt werden, wer meine Daten erhält und was damit getan werden darf.
Jedenfalls gibt es so etwas wie geheime Informationen im Netz genauso wenig wie im echten Leben. Wenn ich ein Geheimnis mit jemandem teile, muß ich damit rechnen, dass es weitergegeben wird. Wenn mir daraus nachweißlich Schaden entsteht, kann ich versuchen rechtliche Schritte einzuleiten. Ob das erfolgreich ist hängt aber immer von den gesetzlichen Regelungen ab und nicht davon, ob die Information speziell beschaffen war. So ist ein Artzt zum Schweigen verpflichtet (und kann belangt werden), meine Nachbarin, der ich anschließend die Diagnose erzähle jedoch nicht.
Ergo: Ich finde, Unternehmen wie Apple & Co. müssen offensiver aufklären was sie erfassen und warum sie das tun. Das ermöglicht eine informierte Entscheidung für oder gegen einene Service durch den Nutzer. Danach ist es jedoch in der Verantwortung des Gesetzgebers, Schaden von seinen Bürgern abzuwenden. Und da ist es kontraproduktiv sich immer wieder gegen die Informationserstellung zu stemmen. Vielmehr sollten Systeme entwickelt werden, die Kontrolle und Willensbekundung ermöglichen.