Jul
18
2011
Auf den Tag genau vor 3 Monaten habe ich mir mein derzeitiges Lieblings-Sportgerät gekauft: Meine Slackline. Sie ist seither permanent im Garten gespannt und wenn es draußen trocken ist, laufe ich mindestens einmal am Tag an ihr entlang.
3 Monate sind auch genug Zeit um ein kleines Fazit zu ziehen…
Warum eigentlich Slacklining?
Die Idee des Slacklinings stammt aus den USA und wurde dort ursprünglich von Sportkletterern, die ihr Gleichgewichtsgefühl trainieren wollten ausgeübt. Genau das war auch mein Antrieb, mich damit zu beschäftigen. Inzwischen klettere ich im 7. Schwierigkeitsgrad und immer öfter war es mein eigenes mangelndes Gefühl für meinen Körperschwerpunkt das mich von der Wand fallen ließ… Slacklining versprach da Abhilfe. Als ich dann noch eine Dokumentation über den Slackliner und Kletterstar Dean Potter sah, war die Sache endgültig klar.
Welche Line ist die richtige?
Lines gibt es in den verschiedensten Längen, Breiten und anderen Spezialitäten. Für den Einsteiger ist es aber gar nicht so schwer sich zurechtzufinden. Ich habe mich damals ein wenig durchs Netz gewühlt und dabei ein paar Grundregeln zur Auswahl gefunden.
- Slacklines sollten mindestens 10m haben um sinnvoll zu sein. Als Anfänger bieten sich 5-10m Länge als Einstiegslänge an. Ich habe zur Zeit eine 7m Line und bin glücklich (die restlichen 18m die meine Line noch hätte liegen zur Zeit recht ungenutzt herum…)
- Je breiter die Line desto einfacher fällt der Einstieg. Allerdings ist es ratsam eine der geläufigen Breiten zu nehmen, das erleichtert den Kauf des Zubehörs und man fühlt sich nicht so unbeholfen auf einer fremden Line. Geläufige Breiten sind 25, 35 und 50mm. Ich habe eine 35mm Line und bin glücklich damit…
- Nie einfach nur Befestigungsgurt und Ratsche aus der Baumarkt-Angebotsecke kaufen! Die Lines müssen zum Teil ein vielfaches an Belastung aushalten und eine “schießende” Line kann zu ernsthaften Verletzungen führen. Am Besten sieht man seine Slackline als Sportgerät und legt ähnlich hohe Anforderungen an.
- Ein typischer Slackline Kit enthält neben der Line noch einen Spanner und zwei Schraubschekel. Außerdem sollten zwei Baumschoner mit von der Partie sein. Die Preise variieren je nach Länge und Breite, liegen aber zwischen 30€ und 90€
Jetzt habe ich meine Slackline. Wie gehts weiter?
Zuerst spannt man die Line in ca. 1m Höhe zwischen zwei ausreichend fest verankerten Polen. Bäume bieten sich hier natürlich an. Es ist darauf zu achten, dass links und rechts keine Gegenstände oder Gartenmöbel etc. stehen die bei Stürzen zu Verletzungen führen können.
Generell gilt, dass das Slacklining einfacher zu lernen ist wenn die Line etwas fester gespannt ist, da zu Anfang besonders das “Schlackern” des Knies ein Problem ist und die Line schnell in unkontrollierbare Schwingungen versetzt. Am Anfang ist das Stehen auf der Line die größte Herausforderung. Wer einen Partner zur Hand hat, kann sich da natürlich stützen lassen, aber auch geeignete Stöcke um sich links und rechts stützen zu können sind beliebte Hilfen.
Ich empfehle, Slacklining barfuß zu beginnen. Den Fuß sollte man in Richtung des Seils aufstellen und dann mit einem leichten Schwung den anderen Fuß nachholen. Zu Anfang ist Stehen schon völlig ausreichend, lernt erst einmal die Schwingung des Seils kennen bevor der Anspruch aufkommt, auch gehen zu können.
Ich konnte nach ein paar Stunden stehen, aber es dauerte fast eine Woche bevor ich mehr als zwei bis drei Schritte hinbekommen habe.
Für mich war der Sport auch ohne gleich laufen zu können ab Tag eins faszinierend, denn das Balancieren allein macht schon enorm Spaß.
Wer sich nach den ersten Schritten auf der Line ausgiebiger mit diesem Sport beschäftigen möchte, dem sei hier das Buch von Heinz Zak, dem die Einführung dieses Trendsports hierzulande zugeschrieben wird empfohlen.
Ich kann darauf laufen, was kommt als nächstes?
Wer sicher über die Line laufen kann, dem stehen im Prinzip mehrere Wege offen:
- Längere Längen: Jede Länge hat ihre eigenen Herausforderungen. Natürlich ist das Schwingungsverhalten anders aber vielleicht ist es ja auch ein Reiz, immer ausdauernder balancieren zu können…
- Kunststücke: Gestern erst habe ich ein Video geposted in dem zu sehen ist, was man auf der Line alles machen kann. Hammer…
- Spezielle Lines: Es gibt Slacklines in verschiedenen Varianten. Sogenannte Highlines werden in schwindelerregenden Höhen gespannt und (natürlich mit geeigneter Sicherung) kann man dort den ganz besonderen Kick erfahren, ohne Kontakt zu Boden oder Wand zwischen Gipfeln zu balancieren. Wer’s mag… Eine andere spezielle Variante ist die sogenannte Waterline, was einfach das Balancieren über einer Wasserfläche, z.B. einem Fluß beschreibt.
Mein Fazit
Ich bin Fan. Für mich ist das Slacklinen fast schon meditativ (wie übrigens auch Klettern oder mein Lauftraining). Zwischen Arbeit und Studium gehe ich manchmal nur schnell 15 Minuten auf die Line und habe das Gefühl, danach wieder vollkommen fokussiert weiterarbeiten zu können. Meine Kletterei profitiert ebenfalls von dem eindeutig geschulten Gleichgewichtssinn. Außerdem macht die Line im Sommer nicht nur mir sondern auch den Kindern und Gästen eine Menge Spaß.
Alles in allem hat sich die Investition für mich also gelohnt, auch wenn ich nie mehr können werde als ein paar Meter hin und her zu laufen
Aber vielleicht spanne ich sie an einem heißen Somemrwochenende ja mal über die Amper und verbringe einen Tag mit den Kids mit feuchten Abstürzen…
Mehr Informationen
Ich fand folgende Webseiten interessant: