Jul
21
2011
Das war eine der Fragen, die Anne in ihrem Blog Annalist aufwarf, nachdem sie im DRadio Wissen Online Talk zu den verschiedenen Social Media Plattformen diskutiert hatte.
Eine interessante Frage, die ich hier mal für mich mit “Nein” beantworten möchte.
Einmal ist es so, dass auch ich ein gewisses Unbehagen bei dem Gedanken habe, Google meine gesammelten Online-Interaktionen anzuvertrauen und damit vermutlich absolut nicht allein bin. Da geht es mir gar nicht mal um den so häufig zitierten vermeindlichen Verlust der (eh nicht wirklich realen) Privatsphäre als vielmehr darum, keinen Single Point of Failure schaffen zu wollen. Wenn Google morgen seine Geschäftsbedingungen in einer für mich nicht akzeptablen Weise anpasst, dann will ich nicht unbedingt, dass ich gleichsam erdrutschartig einen kompletten Großumzug meines digitalen Wirkens vor mir habe.
Aber neben diesem allgemeinen Unbehagen gibt es noch einen anderen Punkt, der mich daran zweifeln läßt, dass bald alle nur noch g-plus-sen werden: Der Nervfaktor zig verschiedene Online-Identitäten pflegen und warten zu müssen. Denn egal wie dominant Google sein mag sind doch LinkedIn, Xing, Twitter, Facebook, Tumblr etc. Plattformen, die ihre Berechtigung behalten werden. So wenig wie facebook es schaffte, die alle abzulösen so wenig wird das g+ gelingen. Damit ist g+ aber nur ein weiterer Dienst im Gesamtmix mit relativ wenig neuem Nutzwert.
Ich glaube es wird in eine andere Richtung gehen: in ein paar Jahren wird es einen allgemeinen Austauschstandard für Social Media Daten geben deren Einhaltung staatlich kontrolliert und vorgeschrieben sein wird.
Warum ich das denke? Ganz einfach: Der zentrale Dienst, der facebook & co erfolgreich macht ist meiner Meinung nach nicht so sehr die Möglichkeit, sein privates Leben ins Netz zu verlagern und mit anderen zu teilen. Ein mindestens genauso großer Anteil darf der Schaffung einer echten Online-Identität zugeschrieben werden. Immer mehr Menschen melden sich mit den Accounts die Google und Facebook bieten bei den verschiedensten Online Diensten an. Es ist nur eine Frage der Zeit bis den Staatsorganen aufgeht, dass sie hier das Online-Pendant des Melderegisters und des Personalausweises vor sich haben. Nur ist diese Online Identität in der Hand von privaten Unternehmen bzw. in der Hand des Dienstnutzers, der ja immerhin festlegt, wem er vertraut.
Das ist auch völlig in Ordnung, nur wird es mit der dominierenden Marktposition dieser Anbieter zur gesellschaftlichen Aufgabe deren Praktiken zu standardisieren und zu kontrollieren.
Rolle rückwärts also zur Eingangsfrage: Ich glaube, Anonymität im Netz wird genauso aussterben wir es die Datenhoheit einzelner Unternehmen bald nicht mehr geben wird. Denn letzteres speist sich nur daraus, dass ihnen niemand vorschreibt welche Schnittstellen und Formate sie einhalten müssen…
my 0,02$
Wie seht ihr das?