Sep
2
2011
Ich habe lange gegrübelt, wie ich diesen Blogpost anfangen soll, bevor ich beschloss, mit einer Diskussion einzuleiten, die vor ein paar Jahren so prägend für mich war, dass ich sie seither immer wieder geführt habe.
Ort des Geschehens war London, am Rande einer Spieleentwicklerkonferenz an der ich teilnehmen durfte. Ich war im Anschluss mit einigen Kollegen noch Essen gegangen und fand mich plötzlich in einer pro-/anti-Kriegsdiskussion wieder. In dem Wissen, dass ich als Deutscher vielleicht nicht unbedingt gut beraten war mit Amerikanern über militärische Interventionen zu debattieren, hielt ich mich aus dem Gespräch raus. Bis der Nebensatz “a human life is priceless, of course, but…” mein Ohr traf.
Reflexartig antwortete ich mit der Frage, warum es denn überhaupt proaktive Kriegseinsätze gäbe wenn ein menschliches Leben wirklich so unbezahlbar sei und warum gerade in Amerika gar nicht wenige Menschen ohne medizinische Versorgung sind wenn ihr Leben doch als derart wertvoll zu sehen wäre…
Die Diskussion zog sich den ganzen Abend hin.
[Zeitsprung]: Vorgestern…
Meine Liebste™ und ich waren – wir haben ja zur Zeit Urlaub – shoppen… Buchläden gehören da zu den gefährlichsten Pflastern. Gerade die großen Shops tendieren dazu, uns zu verschlucken und nach Stunden mit einem Stapel neuer Bücher und um erstaunliche Geldbeträge ärmer wieder auszuspucken… Diesmal habe ich mir aber nur ein Buch gekauft. Es war mir auf den ersten Metern ins Auge gestochen und hatte mich sofort fasziniert.
Die Rede ist von diesem Buch hier:

Jörn Klare geht darin der Frage nach, welchen monetären Wert Menschen haben. Er macht das indem er seinen persönlichen Rechercheweg und die Begegnungen mit anderen dabei beschreibt und beleuchtet das Thema mit viel Fingerspitzengefühl.
Was ein Mensch wert ist, hängt demnach oft vom Kontext ab. Ein Profikiller wird darauf eine andere Antwort geben als ein Marketingexperte einer Kosmetikfirma oder ein Versicherungsexperte. So oder so bleibt jedenfalls die Aussage “menschliches Leben ist unbezahlbar” gleichzeitig wahr und auch falsch, denn sobald man moralische Maßstäbe beiseite lässt, kann man uns eben doch in Euro und Cent berechnen…
Ein Lesenswertes Buch ist da auf meinem Nachttisch gelandet. Gut geschrieben, überhaupt nicht trocken bearbeitet es eine überwiegend tabuisierte Frage unseres täglichen Lebens auf eine sehr persönliche Weise.