Sep
10
2011
Heute unternahm ich einen Trip in eine andere Dimension… in die Welt der Teenager nämlich.
Der Anlass: Ich habe beschlossen, endlich einen schon lange immer wieder gehegten Plan umzusetzen und meinen Motorradführerschein anzugehen. Als ich vor inzwischen 17 Jahren (Unverschämtheit wie lang das schon wieder zurück liegt!) meinen 3er (so hieß der damals) machte, hatten mir meine Eltern unter Androhung von Finanzverknappung untersagt auch noch Zweiradfahrer zu werden. Danach ergab es sich irgendwie nie, blieb aber immer ein nagender Wunsch…
Wie dem auch sei: Zu einem Führerschein, auch wenn es ein aufbauender ist, gehört berechtigterweise auch ein Erste Hilfe Kurs. Genau bei dem war ich heute.
Die Landshuter Malteser veranstalten diesen Kurs in ihrem Schulungszentrum nahe des Bahnhofs. Das Gebäude strahlt den Charme einer 60er Jahre BayWa-Station aus. Ich war ein wenig zu früh dran und war erster. Daher setzte ich mich also ein wenig morgenmuffelig davor auf eine Treppe und wartete wild entschlossen, möglichst lang an der frischen Luft zu bleiben. Ich würde ohnehin noch lang genug in stickiger Luft sitzen dürfen.
Der erste Mitschüler ließ denn auch nicht lange auf sich warten. Ein gegeelter, leicht übergewichtiger Rappertyp kam auf mich zu. Ich saß auf der Treppe und las Mails auf dem Telefon…
- Hey Du, bist Du auch Erste Hilfe Kurs?
Ja.
- Ist der hier oder was?
Ja.
- Hey, ich weiß nich, so’n Typ am Bahnhof hat gesagt, er glaubt nicht, dass der hier is…
Dann such doch da wo der Typ vom Bahnhof den Kurs vermutet… (murmle ich kaum hörbar)
- Häh?
Na, wenn der das sagt. Mein Kurs ist jedenfalls hier. (sage ich deutlich)
- Ah. Machst Du auch Führerschein?
Hm…
- Auto?
Nö, den hab ich schon. Ich mache...
- Krass, hast Du schon? Wie alt bist Du denn?
…35 … ich mache den Motorradschein
- Wow! Hätt ich nich gedacht, dass Du schon so alt bist! Darf man dann direkt offen fahren?
Während ich mich noch frage ob mir der Rapper-Jüngling im Ernst sagen will, ich sähe wie ein 17 jähriger Führerscheinneuling aus kommt der Kursleiter an und erlöste mich von dem Dialog. Die anderen Teilnehmer trudeln ebenfalls nach und nach ein. Witzigerweise setzten sich Jungs und Mädels automatisch zusammen, so dass zum Schluss die linke Hälfte des Raums in weiblicher und die rechte in männlicher Hand ist. 18 Teens, 3 Erwachsene – das kann ja heiter werden.
Der Kurs fängt ganz entspannt an. Ich bin gleich am Anfang als Demonstrationsopfer dran und bekomme Rapperboy zugeteilt. Er soll einen Bewusstlosen spielen. Er legt sich auf den Boden, hält jedoch den Kopf krampfhaft in der Luft. Ich frage mich was das soll… bis ich hin fassen muss… die Gel-Zement-Frisur hätte wohl entweder zerstört werden können oder Rapperboy befürchtete, die einzelnen Haare könnten sich in die Kopfhaut bohren wenn er den Kopf auf den Boden legt. Ich schmunzele innerlich…
Wenig später erklärt der Kursleiter die Mund-zu-Mund-Beatmung. Die Mädels verziehen bei dem Teil wo erklärt wird man müsse zunächst den Mund frei räumen angewidert das Gesicht. Irgendwann dann eine Wortmeldung einer weiblichen Version von Rapperboy:
- Wenn ich an eine Unfallstelle komme und den Rettungsdienst verständigt habe, dann habe ich doch schon geholfen… Dann mache ich mich doch nicht mehr strafbar wenn ich die Beatmung nicht durchführen will, oder?
Ich starre die Tussi an. Hat die gerade im Ernst gefragt ob sie die Beatmung eines bewusstlosen Sterbenden nicht auch unterlassen könne? Sie starrt ekelerregt die unschuldige Dummy-Puppe in unserer Mitte an.
- Ich mein, das ist ja wohl voll eklig, da kann mich doch keiner zu zwingen, oder?
ARG…
Der Kursleiter erklärt ihr, dass sie mindestens zum Freiräumen der Mundhöhle von Erbrochenem und anderem verpflichtet sei. In der Jungs-Ecke meldet sich mein Nachbar wieder zu Wort
- Überhaupt, warum soll der denn eigentlich gekotzt haben? Man kotzt doch nicht einfach so nur weil man bewusstlos ist… Also ich war schon öfter bewusstlos ohne gekotzt zu haben…
Na, das beruhigt mich aber. Ich frage mich ob der weiß wie sich Bewusstsein anfühlt… Schräg.
Ich habe Mitleid mit dem Kursleiter und bewundere seine Geduld als er wieder zu Erklärungen und Beispielen ansetzt.
Auf dem Niveau war der ganze Tag. Boah… was bin ich froh, dass ich kein Teenager mehr bin und was habe ich ein Glück, dass ich kein Erste Hilfe Lehrer sein muss… Mehr als einen Ausflug in so eine Gruppe pro Jahr würde mich echt überfordern, so aber war es fast schon witzig.