Okt
6
2011
Es ist schon interessant… so viel über Work-Life Balance wie die letzten Tage habe ich schon lange nicht mehr nachgedacht. Dabei ist mir etwas Interessantes aufgefallen: Meist wird WLB eigentlich nur unter dem einen Blickwinkel beschrieben: Der ganz persönlichen Wahrnehmung als Arbeitnehmer. Seit ich aber ein Team bekommen habe, denke ich da auch noch aus Sicht des Managers darüber nach und wäge meine eigenen Aktionen auch mit Blick auf die WLB anderer ab.
WLB hat also gewissermaßen eine aktive und eine passive Seite. Die aktive Seite bezieht sich darauf, was ich selbst tue um meine eigene WLB zu erhalten. Also Auszeiten, die ich mir gönne; Arbeitszeiten, die ich mir einteile; berufliche Anforderungen, die ich ggf. ablehne oder zusage etc… Das ist ein Bereich in dem ich eigentlich auch keine Einmischung will. Ich möchte mir möglichst selbst einteilen können wie Arbeit und Alltag bei mir ineinander greifen. Balance heißt da nicht weniger Arbeit (wie auch oft angenommen wird) sondern eine ausgewogene Verflechtung zwischen Familienleben, Arbeit und persönlicher Verwirklichung.
Die passive Seite ist aber eine genauso wichtige aber oft übersehene Seite: Wie wirken eigene, eigentlich ja persönliche WLB Entscheidungen auf Kollegen oder Mitarbeiter und wie beeinflusse ich indirekt damit auch deren Wahrnehmung.
Beispiel: Wenn ich als Mitarbeiter jeden Tag früh ins Büro komme und sehr spät wieder gehe, kann das durchaus mit meiner persönlichen WLB zusammenhängen. Vielleicht lese ich zwischendurch eine Stunde, vielleicht treibe ich Sport… Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass mich mein Umfeld als extrem arbeitsverhaftet wahrnimmt und eventuell fühlen sich andere Kollegen dazu genötigt, meinem Beispiel zu folgen.
Ähnlich verhält es sich mit E-Mails oder Chats… Wenn ich Nachts e-Mails schreibe, dann sende ich damit auch automatisch die Nachricht “ich arbeite nachts”. Während ich als einzelner Mitarbeiter mir da vielleicht noch denken kann “na und?”, sieht die Sache für Teamleiter und Manager ganz anders aus. Mails an Abenden oder Wochenenden werden sehr wahrscheinlich gelesen wenn sie vom Vorgesetzten kommen. Und selbst wenn die Mitarbeiter dann beschließen (aus Gründen der WLB?) nicht zu antworten, so haben sie die Nachricht doch gesehen, entgegengenommen und fühlen sich vielleicht sogar unsicher ob sie nicht doch mal eben kurz diese eine Nachricht bearbeiten sollten…
Indirekt (und meist unbeabsichtigt) dehnt sich da die persönliche Entscheidung eine Mail zu schreiben auf die Wahrnehmung Anderer aus. Es kann sogar sein, dass dadurch ungewollt Druck entsteht oder die gefühlte WLB leidet.
Was kann man nun gegen so etwas unternehmen? Ich für meinen Teil will jetzt mal versuchen auf den Versand von Nachrichten außerhalb bestimmter Kernarbeitszeiten zu verzichten. Ich schreibe sie vielleicht, aber im Normalfall bleiben die in der Outbox bis zum nächsten Geschäftstag liegen. Damit muss niemand in seiner Freizeit entscheiden, was er nun mit meiner Nachricht anfangen soll…
Das ist aber sicherlich nur eine erste Idee und auch nur eine Kleinigkeit im großen Feld der WLB. Aber Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist und ist auch nicht weniger bedeutend als die großen Themen…
Wie ist das bei Euch? Habt ihr Anmerkungen und Ideen zu dem Thema?